Accueil > Die Genese des modernen Individuums, sein Bezug zu den Anderen und zur Welt – ein Schlüsselkapitel in der europäischen Ideengeschichte

AHUM 14D00 - DIE GENESE DES MODERNEN INDIVIDUUMS - EIN SCHLÜSSELKAPITEL IN DER EUROPÄISCHEN IDEENGESCHICHTE

Type d'enseignement : Vorlesung

Semester : Wintersemester und Sommersemester 2017-2018

Zahl der Stunden : 24

Unterrichtssprache : Deutsch

Vorkenntnisse

aucun

Veranstaltungsbeschreibung

Politik, Geschichte, Jura und Ökonomie handeln vom „Individuum“ und seinen Beziehungen zu seinesgleichen und der Welt. Aber dieses Individuum ist kein nacktes und abstraktes Ding, sondern zeichnet sich durch eine Reihe besonderer Eigenschaften und Fähigkeiten aus: Identität und Subjektivität (d.h. die Fähigkeit, sich vom anderen und der Umwelt zu unterscheiden und sich auf seine eigene Biographie zu beziehen), Gewissen, Einbildungskraft und Verstand (d.h. die Vermögen, das Richtige vom Falschen, das Gute vom Schlechten zu unterscheiden, zu urteilen, zu denken und zu schließen), Würde und Freiheit (und damit Rechte, aber auch Pflichten) usw. Diese Eigenschaften machen das moderne, „bürgerliche“ Individuum aus, wie es die europäische Neuzeit charakterisiert und einen europäischen Wertekanon verkörpert, und bestimmen die Beziehungen, in welche es treten kann (Machtverhältnisse ebenso wie emotionale, formelle oder gar legale Beziehungen usw.). Dieses Individuum erblickt freilich nicht fertig die Welt sondern ist einer tiefgreifenden Entwicklung unterworfen, und zwar nicht nur in den Vorstellungen, die sich der Mensch von sich selbst und seinen Beziehungen zu den anderen und zur Welt macht, sondern tatsächlich in seinen Eigenschaften, die keine historischen Konstanten darstellen, sondern sich in der Menschheitsgeschichte wie in der Biographie jedes einzelnen erst herausbilden, sich entwickeln, verändern und auch wieder verschwinden können. Diese Vorlesung bietet eine philosophische Betrachtung und Analyse dieser Thematik, wobei auch ethnologische und soziologische Erkenntnisse berücksichtigt werden. Wir erschließen uns am Leitfaden der großen Texte der europäischen Tradition die Geschichte des modernen, bürgerlichen Subjekts von seiner Entstehung (in der Renaissance, in welcher die Idee von der Würde des Menschen formuliert wird, dem klassischen Zeitalter, in welchem die moderne Subjektivität entsteht, und dem Zeitalter der Aufklärung, in welcher der moderne „Weltbürger“ geprägt wird) bis in die Gegenwart, in welcher einige Wissenschaftler den Anbruch des „Anthropozäns“ verkünden, des Menschenzeitalters, welches auch das Ende der Menschheit bedeuten kann.

Lehrkräfte

SCHLAUDT, Oliver (​Privatdozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Philosophischen Seminar der Universität Heidelberg​)

Pflichtlektüre

  • Giovanni Pico della Mirandola: De hominis dignitate (1496)
  • Pierre Bayle: Traité de la tolérance universelle (1686)
  • Adam Smith: A theory of moral sentiments (1759)
  • Immanuel Kant: Was ist Aufklärung (1784)
  • Hannah Arendt: On Violence (1970)

Komplementlektüre

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