Accueil > Krise, Erosion oder Niedergang der Demokratie ? Krisendiagnosen auf dem Prüfstand

ASPO 1205D - KRISE, EROSION ODER NIEDERGANG DER DEMOKRATIE ? KRISENDIAGNOSEN AUF DEM PRÜFSTAND

Type d'enseignement : Seminar

Semester : Sommersemester 2017-2018

Zahl der Stunden : 24

Unterrichtssprache : Deutsch

Vorkenntnisse

Keine.

Veranstaltungsbeschreibung

Die Verfahren der liberalen, repräsentativen Demokratie schienen in vielen Ländern eine unverbrüchliche Grundlage der politischen Auseinandersetzung darzustellen. Doch längst ist nicht mehr nur von einer „Entzauberung der Demokratie“ und der in Deutschland seit langem beklagten „Politikverdrossenheit“ die Rede. Vielmehr diagnostiziert die Politikwissenschaft sehr ernste Gefährdungen der Demokratie, die bis zum Rückfall in autoritäre Praktiken führen können. Die strukturellen Gründe, die hierfür angeführt werden, sind zahlreich. So macht die Globalisierung das Ideal demokratischer Selbstbestimmung unplausibel und provoziert eine Sehnsucht nach nationaler „Souveränität“; auch scheint in der „Mediendemokratie“ das Niveau politischer Auseinandersetzung nicht erst seit Donald Trump immer weiter abzusinken. Für Deutschland besonders relevant ist die Krise der politischen Parteien, denen Desinteresse und ein Klima des Verdachts entgegenschlägt („Parteienverdrossenheit“). In vielen Ländern treten Bewegungen an ihre Stelle, die stärker auf die Führungsspitze ausgerichtet sind. In ihren nationalistischen und populistischen Ausprägungen greifen diese Bewegungen offen den Rechtsstaat an und stellen die Gewaltenteilung, die individuellen Grundrechte und das Prinzip des Rule of law in Frage. Eine sorgfältige Analyse der Debatte zeigt jedoch, dass die konkurrierenden Diagnosen mit ganz verschiedenen Begriffen – wie bspw. Krise, Erosion, Niedergang, Unbehagen oder Verdrossenheit – arbeiten und gänzlich verschiedene Implikationen enthalten. Müssen wir uns wirklich Sorgen um die Stabilität der Demokratie machen? Oder handelt es sich bei den negativen Szenarien lediglich um eine Krisenrhetorik, die die Demokratie immer schon begleitet und zugleich lebendig gehalten hat? Eine präzise Differenzierung zwischen den verschiedenen Dimensionen und den jeweils zur Anwendung kommenden Methoden soll ein realistisches und daher nuanciertes Bild ermöglichen.

Lehrkräfte

HEIDENREICH, Felix (Coordinateur scientifique, Universität Stuttgart)

Unterrichtsmodalitäten

Die Veranstaltung kombiniert eine Vorlesung mit einer seminarähnlichen Präsentation und Diskussion aktueller Beiträge zur Krise der Demokratie. Die Gruppenreferate dienen einer exemplarischen Vertiefung der in der Vorlesung angesprochenen Themen. Hierbei soll herausgearbeitet werden, wie plausibel die jeweils zur Diskussion stehenden Diagnosen, wie überzeugend ihre begrifflichen Unterscheidungen und wie valide die empirischen Behauptungen sind.

Scheinerwerb

2/3 mündliches Referat/Diskussion; 1/3 schriftliche Abschlussklausur zum gesamten Vorlesungsstoff.

Arbeitsvolumen

Die Teilnehmer sind verpflichtet, die zur Diskussion stehenden Texte zu lesen. Zudem ist jeder Teilnehmer verpflichtet, ein aktuelles Thema im Rahmen einer Gruppenarbeit zu präsentieren und an einer Diskussion hierüber teilzunehmen. Die Gruppen werden aus ca. 7-8 Teilnehmern bestehen; Referat und Diskussion werden pro Gruppe eine Stunde dauern und öffentlich sein.

Pflichtlektüre

  • Vorlesungsbegleitendes Skript mit weiteren Lesehinweisen
  • Diamond, Larry/Plattner, Marc F. (Hrsg.): Democracy in Decline? Journal of Democracy, 144 S., JHUP, Baltimore, MD/London 2015
  • Foa Roberto Stefan / Yascha Mounk (2016): „The Danger of Deconsolidation: The Democratic Disconnect“, in: Journal of Democracy Bd. 27, Juli /2016, S. 5-17
  • Merkel, Wolfgang (Hrsg.) (2015) : Krise der Demokratie ? Zum schwierigen Verhältnis von Theorie und Empirie, Wiesbaden

Komplementlektüre

Heidenreich, Felix (2016) : „Krise, Erosion, Niedergang der Demokratie – oder doch ein ganz normales Unbehagen?“, in: Neue Politische Literatur, Bd. 63., S. 403-413