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CSOC 1015D - SPRACHE ALS MITTEL DER ABWERTUNG. EINE VERGLEICHENDE SOZIOLINGUISTISCHE ANALYSE.

Type d'enseignement : Wahlkurs

Semester : Wintersemester 2017-2018

Zahl der Stunden : 24

Unterrichtssprache : Deutsch

Vorkenntnisse

aucun

Veranstaltungsbeschreibung

Problematik : Die Sprache ist im Allgemeinen ein sehr guter Indikator, um gesellschaftliche Konflikte erzeugt durch soziale und/oder wirtschaftliche Ungleichheit aufzuzeigen. Beispiele in Deutschland sind bspw. die jeweilig gekürten „Wörter des Jahres“ – Flüchtlinge (2015), postfaktisch (2016), - bzw. vor allem deren Pendant, die „Unwörter des Jahres“ – Lügenpresse (2014), Gutmensch (2015) und Volksverräter (2016). Behauptet wird, dass sozio-ökomische Faktoren die Sprache wesentlich beeinflussen und insbesondere Krisen, bspw. die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 aber auch die Flüchtlingskrise ab 2014/2015 Elemente der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF) wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie etc. hervorrufen. Extreme Beispiele sind bspw. neben der rasant steigenden Anzahl an fremden-feindlichen Angriffen auf Flüchtlingsheime und Flüchtlinge in Deutschland (3500 Übergriffe 2016 (BMI), ein historischer Rekord, und das Erstarken rechtspopulistischer teils überregionaler (Bürger-)Bewegungen wie PEGIDA & Parteien wie die AfD (bis zu 25% in einzelnen Regionen), ein völlig neues Phänomen in Deutschland, insbesondere Reden und Diskussionen gespickt mit einst gesellschaftlich inakzeptablen Formulieren im öffentlichen Raum. Hinzu kommen Gesten und Transparente, gezeigt bspw. während Demonstrationen und Sportveranstaltungen aber auch Verlautbarungen im (halb)-privaten Rahmen, bspw. bei Amateurfußballspielen oder eben am „Stammtisch“. Theorie & Methode : In diesem Kurs werden unterschiedliche soziologische Theorienansätze, bspw. soziale Normen (Popitz) bzw. Institutionen (North), negative Klassifikationen (Neckel, Sutterlüty) und gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF) (Heitmeyer), in Verbindung mit sprachwissenschaftlichen Ansätzen, bspw. der Semiotik (Pierce) und der „Hate Speech“ Ansatz (Benesch) mithilfe messbarer Diskriminierungen (Ungleichwertigkeiten) überprüft und versucht einen Theorieansatz zu erarbeiten, der die vielfältigen Faktoren berücksichtigt. Untersucht werden diese Phänomene bspw. anhand von wissenschaftlichen Studien, Berichten von (nicht-)staatlichen Organisationen aber auch anhand von Zeitungsartikeln, öffentlichen Reden und Diskussionen. Seminarziel : Ziel dieses Kurses ist es somit einerseits die auftretenden Diskriminierungen (Ungleichwertigkeiten) mittels Sprache vergleichend in Deutschland und Frankreich sowie deren möglichen Ursachen und Entwicklungen zu untersuchen und ggfs. Möglichkeiten der Prävention zu entwickeln und andererseits eine selbständige empirische Untersuchung durchzuführen.

Lehrkräfte

KOCH, Florian (Dipl. Pol.)

Scheinerwerb

Zentraler Schwerpunkt des Seminars ist die Textproduktion. Neben einer Seminararbeit, die in der letzten Sitzung verteidigt werden muss, können mögliche zu schreibende Textsorten Handouts, Thesenpapiere, Zusammenfassungen von wissenschaftlichen Artikel, Rezensionen, Übersetzungen o.ä. sein. Zudem wird erwartet, dass jeder Student selbständig ein Interview nach Vorgabe des Dozenten durchführt. - 20%: Durchführung eines Interviews (Transkription, Übersetzung) - 40%: Textproduktionen während des Seminars (Handout, Thesenpapier, Power-Point Präsentation) bzw. Hausaufgaben zur Vorbereitung der Seminararbeit - 20%: Verteidigung der Seminararbeit während der letzten Sitzung - 20%: Seminararbeit (5 bis 8 Seiten) abzugeben 1 Woche nach der letzten Sitzung

Pflichtlektüre

  • APuZ (2012): Ungleichheit und Ungleichwertigkeit, 62. Jahrgang 16–17/2012, Bonn: BpB
  • Berron, M.-A. & Koch, F. (2017) : Counter Speech : Une nouvelle stratégie politico-linguistique en Allemagne face à une crise globale, In : Goudaillier, J.-P. & Planelles Iváñez, M. (éd.) : L'argot des crises, Peter Lang : Francfort sur le Main, 111-121
  • Berron, M.-A. & Koch, F. (2016) : La crise des réfugiés de 2014/2015 sur la base de la résilience sociolinguistique. Une analyse qualitative et comparative entre l'Allemagne et la France, In : La Revue d'Etudes françaises, No 21, 65-74
  • Bastian, S. & Koch, F. (2015) : Le dénigrement de l'autre par le biais de la langue. Une étude pilote dans le domaine du foot en France, In : La Revue d'Etudes françaises, No 20, 18-33
  • Neckel, S. & Sutterlüty, F. (2005): Negative Klassifikationen. Konflikte um die symbolische Ordnung sozialer Ungleichheit, in: Wilhelm Heitmeyer und Peter Imbusch (Hg.): Integrationspotenziale einer modernen Gesellschaft. Analysen zu gesellschaftlicher Integration und Desintegration. Wiesbaden: VS Verlag, 409–428

Komplementlektüre

Zick, A. et al. (2011): Die Abwertung der Anderen. Eine europäische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung, Berlin: FES, Forum Berlin