Accueil > Konfliktfeld Stadion. Eine vergleichende Analyse in Deutschland und Frankreich.

CSOC 1020D - KONFLIKTFELD STADION. EINE VERGLEICHENDE ANALYSE IN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH

Type d'enseignement : Wahlkurs

Semester : Sommersemester 2017-2018

Zahl der Stunden : 24

Unterrichtssprache : Deutsch

Vorkenntnisse

aucun

Veranstaltungsbeschreibung

Gewalt als Mittel der Konfliktlösung wird mittlerweile in allen westlichen Gesellschaften strikt abgelehnt und sanktioniert. Sie wird mittlerweile selbst in Bereichen, in denen sie noch vor nicht allzu langer Zeit zumindest geduldet bzw. (strafrechtlich) nicht verfolgt wurde, bspw. die Gewaltausübung von Eltern gegenüber ihren Kindern, geächtet. Elias nennt diese Entwicklung der Zähmung menschlicher Triebe und den Verzicht der individuellen Gewaltausübung zugunsten des Staats „Zivilisationsprozess“ (vgl. Elias, 1992). Allerdings ist dieser Prozess nicht linear, sondern höchst anfällig bei Krisen. So führt Elias die Machtergreifung der Nationalsozialisten auf ökonomische und soziale Krisen während der Weimarer Republik und auf einen schleichenden Prozess des „Zusammenbruchs der Zivilisation“ zurück (vgl. Elias, 1992). Darauf beziehend sprach bspw. der deutsche Bundesinnenminister Thomas de Mazière in der Hochphase der Flüchtlingskrise, die von massiver physischer und verbaler Gewalt gegen Flüchtlinge gekennzeichnet war, von einem Fall zivilisatorischer Schranken (vgl. de Mazière, 2015). Demgegenüber ist allerdings der Sport ein gesellschaftlicher Bereich, indem individuelle Aggressionen nach festgelegten Regeln ausgelebt, gefördert und somit auch eingeübt werden, speziell in Sportarten wie Fußball, Rugby und Eishockey (vgl. Camus, In: FIFA.com, 2011). Umso erstaunlicher sind allerdings Beobachtungen, wonach vor allem um das Fußballspiel Aggressionen und Gewalt zum Spieltag bzw. Turnier gehören. Jüngste Beispiele sind z.B. die Europameisterschaft 2016 in Frankreich, die von massiver Zuschauergewalt begleitet wurde, aber auch die massiven Übergriffe von Fans der Borussia aus Dortmund gegenüber den RB Leipzig Fans (vgl. Ruf, 2017). Gewaltakzesse, wenn auch im geringerem Ausmaß, sind allerdings immer mehr in den unteren Ligen anzutreffen (vgl. Blaschke, 2012; Pilz, 2006; Winands, 2016). Fabich berichtet bspw. von regelmäßigen Überfällen von Rechtsextremen auf linksorientierten Fans in und um Leipzig (vgl. Bock, 2011). Zudem geht Gewalt nicht nur von Fans aus. Vielmehr richtet sich physische und verbale Gewalt ebenso gegenüber Spieler, Funktionäre und den Schiedsrichter (vgl. Ribler, 2010; Scherer et al. 2010, Vester, 2013; Emrich et al. 2016). Das „Spielfeld“ wird somit immer mehr je nach Betrachtung zur Kontaktarena (vgl. Soeffner et al., 2006), zum „creuset national“ (vgl. Noiriel, In: Gasparini, 2016), zum Lernort (vgl. Huhn, 2013), zum Konfliktfeld (vgl. Halm, 2006) oder gar zum Tatort (vgl. Dembowski, 2002) bzw. Schlachtfeld (vgl. Walter, 2002). In diesem Kurs werden soziologische Konflikttheorien, bspw. die Theorie der sozialen Identität nach Tajfel et al. (vgl., Zick, 2002), der negativen Klassifikationen (Neckel et al., 2005) und der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF) (vgl. Heitmeyer, 2012), in Verbindung mit sprachwissenschaftlichen Ansätzen, bspw. der „Hate Speech“ Ansatz (vgl. Benesch, 2014) und der „Violence verbale“ (vgl. Auger et al., 2015) vorgestellt und bezogen auf den Untersuchungsgegenstand hin überprüft. Erwartet wird, dass jeder Student selbstständig ein Interview zum Seminarthema durchführt. Ziel dieses Kurses ist es somit einerseits theoretische Erklärungen für die auftretende physische und verbale Gewalt im Sport, v.a. im Amateurfußball zu erarbeiten und andererseits Ausprägungen der Gewaltarten in Deutschland und Frankreich vergleichend zu analysieren sowie Entwicklungen aufzuzeigen und deren Ursachen zu untersuchen.

Lehrkräfte

KOCH, Florian (Dipl. Pol.)

Scheinerwerb

Zentraler Schwerpunkt des Seminars ist die Textproduktion. Neben einer Seminararbeit, die in der letzten Sitzung verteidigt werden muss, können mögliche zu schreibende Textsorten Handouts, Thesenpapiere, Zusammenfassungen von wissenschaftlichen Artikel, Rezensionen, Übersetzungen o.ä. sein. Zudem wird erwartet, dass jeder Student selbständig ein Interview nach Vorgabe des Dozenten durchführt. 20%: Durchführung eines Interviews (Transkription, Übersetzung) 40%: Textproduktionen während des Seminars (Handout, Thesenpapier, Power-Point Präsentation) bzw. Hausaufgaben zur Vorbereitung der Seminararbeit 20%: Verteidigung der Seminararbeit während der letzten Sitzung 20%: Seminararbeit (5 bis 8 Seiten) abzugeben 1 Woche nach der letzten Sitzung

Pflichtlektüre

  • Blaschke, Ronny (Hg.) (2011): Angriff von Rechtsaußen. Wie Neonazis den Fußball missbrauchen. Göttingen, Niedersachs: Die Werkstatt
  • Heitmeyer, Wilhelm (Hg.) (2012): Deutsche Zustände. 1. Aufl. 10 Bände. Frankfurt am Main: Suhrkamp (edition suhrkamp, 2647)
  • Vester, Thaya (2013): Zielscheibe Schiedsrichter. Zum Sicherheitsgefühl und zur Opferwerdung von Unparteiischen im Amateurfußball. 1., neue Ausg. Baden-Baden: Nomos (Schriften zum Sportrecht, 31)

Komplementlektüre

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