Accueil > „Der gute Bürger“?/Gendering citizenship. Geschlecht, Staatsbürgerschaft und politische Beteiligung in Europa seit dem 19. Jahrhundert (Zoé Kergomard)

BEXP 14D03 - „Der gute Bürger“? Geschlecht, Staatsbürgerschaft und polit. Beteiligung in Europa seit dem 19. Jhdt

Type d'enseignement : Seminar

Semester : Sommersemester 2020-2021

Zahl der Stunden : 24

Unterrichtssprache : Deutsch

Vorkenntnisse

Keine.

Veranstaltungsbeschreibung

Seit der Aufklärung gründeten liberale wie republikanische Demokratiemodelle auf die Figur eines vermutlich neutralen, unabhängigen und selbstbestimmten Bürgers. Das universelle Wahlrecht sollte die Gleichheit aller Menschen segnen. Mit einem solchen Narrativ konnte der langjährige Ausschluss vieler Bevölkerungsteile, beginnend mit Frauen, aus dem Wahlrecht, fast als anachronische Vergesslichkeit erscheinen. Seit den 1970er Jahren haben feministische Theoretikerinnen wie Carole Pateman diese angebliche Neutralität hintergefragt, indem sie auf die Grenzen des demokratischen Universalimus hinwiesen und die geschlechterbasierte Rollenverteilung hinter dem Sozialvertrag zwischen (männlichen) Bürgern (den „Sexualvertrag“ in der Familie) ans Licht brachten. Solche geschlechtersensiblen Perspektiven, die im Sinne eines intersektionalen Ansatzes auch rassistische und klassistische Machtverhältnisse miteinbeziehen können, hinterfragen auch die traditionnellen Narrative der Demokratiegeschichte, die ebenfalls auf eine (männliche) Staatsbürgerschaft fokussierten und dabei die vielfältigen Beteiligungsformen von Frauen unsichtbar machten oder als „unpolitisch“ zur Seite drängten. Ziel dieses Seminar ist es folglich, die Geschichte der Staatsbürgerschaft und der politischen Beteiligung in verschiedenen europäischen Ländern mit einer Geschlechterperspektive zu betrachten. Über die Frage des Wahlrechts und des Wahlakts hinaus werden vielfältige Praktiken der Teilhabe betrachtet, vom karikativen Engagement bis zum (Frauen-)Streik. Es wird dabei gefragt, wie Modelle der Staatsbürgerschaft seit dem 19. Jahrhundert sich veränderten und wie Geschlecht, Klasse und Rasse als soziale Konstrukte dazu beitrugen, bestimmte Beteiligungsmöglichkeiten zu legitimieren (oder nicht) sowie ungleich zu verteilen. Das Seminar bringt dafür Debatten aus den Geschichtswissenschaften sowie aus den Geschlechterstudien, der politischen Theorie und der politischen Soziologie zusammen. Dabei üben sich die Studierenden darin, wissenschaftliche Texte einzuordnen und zu kritisieren, sowie historische Quellen zu kontextualisieren und zu analysieren. Sie entwickeln eine eigene Perspektive und eigene Interessen und schreiben am Ende des Seminars ein Essay zu einer Fragestellung ihrer Wahl.

Lehrkräfte

KERGOMARD, Zoé (Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Zeitgeschichte (Deutsches Historisches Institut Paris))

Unterrichtsmodalitäten

Nach einer einleitenden Sitzung mit theoretischen Texten werden wir bei jeder Sitzung Fallstudien auf der Basis von wissenschaftlichen Texten und Primarquellen diskutieren. Die Sitzungen verknüpfen kurze Inputs der Studierenden zu den Texten und Quellen und Gruppenarbeit zu Primarquellen. Ab Mitte des Semesters werden wir uns auch regelmässig über den Fortschritt der Studierenden mit ihren Essays austauschen.

Scheinerwerb

Studierenden halten einen Lernblog fest und schreiben jede Woche einen kurzen Eintrag zu ihren Überlegungen zu den Texten, Quellen und Diskussionen der Sitzungen (dies wird vorrausgesetzt, aber nicht benotet). Studierenden werden gefragt, folgende (benotete) Aufgaben zu erfüllen: zusammen mit einem_r Kommilitone_in einen Text bei einer Sitzung vorstellen und die Diskussion dazu im Seminar einleiten (25%) ; eine Quelle bei einer Sitzung auswählen und analysieren (25%). Studierenden können dabei selbst Quellen aus europäischen Ländern einbringen ; ein Essay am Ende des Seminars verfassen zu einer im Seminar diskutierten Frage, eventuell auf der Basis der diskutierten Quellen und mit Hilfe der Seminarlektüren (50%)

Arbeitsvolumen

Für jede Sitzung gibt es erforderliche Lektüren (in der Regel zwei Artikel) und eine kleine Auswahl an Quellen, die wir zusammen diskutieren werden. Der Lernblog soll den Studierenden dabei helfen, ihre Ideen und Fragen zum Seminar schriftlich festzuhalten und schrittweise ihre Ideen für ihr Essay zu entwickeln. Zur Vorbereitung des Essays wird auch im Laufe des Semesters einen Abstract angefragt, um die Fragestellung und grossen Thesen des Essays im Voraus zu diskutieren. Zu diesem Abstract wird sowohl die Seminarleiterin wie auch ein_e andere_r Student_in ein Feedback geben.

Pflichtlektüre

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Komplementlektüre

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